
Traueranzeige – Prof. Dr. Wilfried Umbach
Wir nehmen Abschied von
Prof. Dr. Wilfried Umbach
*13. Juni 1936 in Kassel † 09. August 2026 in Düsseldorf
Mit großer Betroffenheit nehmen wir Abschied von Prof. Dr. Wilfried Umbach, ehemaligem Präsidenten und Ehrenmitglied der Deutschen Gesellschaft für Fettwissenschaft e.V. Mit seinem langjährigen Engagement, seinem Weitblick und seinem Einsatz für die Modernisierung und internationale Ausrichtung der DGF hat er unsere Gesellschaft nachhaltig geprägt. Die DGF verliert mit ihm einen engagierten Fürsprecher und Förderer der Fettwissenschaften, dem sie zu großem Dank verpflichtet ist.
Nachruf auf Prof. Dr. Wilfried Umbach, ehemaliger Präsident und Ehrenmitglied der DGF
Den Traueranzeigen in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung war zu entnehmen, dass unser langjähriges Mitglied Wilfried Umbach am 9. August 2026 in Düsseldorf im Alter von 90 Jahren verstarb. Geboren am 13.6.1936 in Kassel, findet er seine letzte Ruhestätte in seiner Geburtsstadt, wo er am 1. September 2026 verabschiedet und bestattet wird. Als sein Nachfolger im Präsidentenamt der DGF ist es mir ein Anliegen, Wilfried Umbachs Verdienste um die Weiterentwicklung unserer DGF zu würdigen. Er hat wesentlich dazu beigetragen, die Gesellschaft in ein neues Zeitalter zu führen. Für die notwendigen Recherchen bin ich unserem Geschäftsführer Fabian Schmitt-Macheledt dankbar und sehr verbunden.
Wilfried Umbach hatte Chemie studiert und war über mehr als drei Jahrzehnte bei der Henkel AG & Co. KGaA erfolgreich tätig, hatte Führungspositionen inne und war auch Mitglied der Geschäftsführung in Düsseldorf. Er pflegte nationale und internationale Kontakte über Mitgliedschaften in kaufmännischen und wissenschaftlichen Verbünden und Universitäten, wie der Titel „Professor“ ausweist – und auch die Mitgliedschaft in der DGF. Er wurde 1990 als Vertreter der Firma Henkel in den DGF Vorstand gewählt und schon bald zum Präsidenten gewählt. Seine Präsidentschaft währte vom 1. Januar 1993 bis zum 31. Dezember 1997, er blieb anschließend noch Vorstandsmitglied bis Ende 1999 mit dem Eintritt in den Ruhestand. Das Credo von Umbachs 5-jähriger Präsidentschaft waren Reformen, Reformen, Reformen:
In der Geschäftsführung mit Einführung der EDV, Computerisierung mit World Wide Web, Tagungsverwaltung, neues Logo und Layout, die Bilanzierung den Anforderungen eines gemeinnützigen Vereins anpassen. Befördert und ermöglicht wurde dies durch den 1995 beschlossenen Umzug der DGF-Geschäftsstelle von Münster nach Frankfurt am Main zum 1. Januar 1996. Hierzu formulierte Umbach das passende Motto „Tradition braucht Innovation“.
Die Modernisierung der Veranstaltungen setzte gleich zu Beginn seiner Präsidentschaft ein: Die Attraktivität und der wissenschaftliche Inhalt der Veranstaltungen sollen gesteigert werden durch Optimierung und Überdenken des Turnus und der Abläufe der Tagungen, z.B. ein Plenarvortrag zu Schwerpunktthemen einschließlich Posterpräsentationen und abschließender Podiumsdiskussion. Auch Festakte wie Normann-Medaille und H.P. Kaufmann-Preis sollen am ersten Tag der Veranstaltung platziert werden. Diese Usancen sind für uns heute normal – dank Umbachs Anschübe.
Aus meiner Sicht die bedeutendsten Verdienste Wilfried Umbachs sind seine Bestrebungen zur Internationalisierung der DGF. Zunächst musste die Forderung durchgesetzt werden, Englisch bei uns stärker als Wissenschaftssprache einzusetzen. Die damalige DGF Zeitschrift „Fett – Wissenschaft, Technologie“ wurde 1996 mit neuem Titel „Fett/Lipid“ herausgegeben mit Umbach als Editor-in-Chief, einem Editorial Board und Peer-Review Verfahren. Die Mitgliederversammlung 1996 akzeptierte, dass nach einer Übergangsfrist eingereichte und angenommene Beiträge ausschließlich in Englisch publiziert werden. Ein toller Erfolg für Umbach, der bis 1998 Editor-in-Chief blieb. Auch die Internationalisierung der DGF-Tagungen schritt voran, die DGF Herbsttagung in Bonn 1997 wurde zweisprachig angekündigt. Weiters wurde1997 eine Satzungsänderung beschlossen, die zu einer deutlichen Verjüngung der Fachgruppenleitungen führte durch neue Strukturen. Ein On dit war damals „mit manchem Heroismus sei modernisiert und verjüngt worden“.
Auf europäischer Ebene war Wilfried Umbach ebenso aktiv. Gemeinsam mit der 50. DGF-Tagung in Münster fand der 2. Eurolipid-Congress 1994 in Münster statt, der rund 400 Teilnehmer aus 20 Ländern zusammenbrachte. Der DGF Vorstand beschloss 1995 das laufende Eurolipid-Konzept nicht weiter zu verfolgen, sondern mit europäischen Fettgesellschaften eine Föderation aufzubauen mit eigenem Sekretariat und regelmäßigen englischsprachigen Kongressen. In einer Vorstandstagung der International Society for Fat Research in Den Haag im selben Jahr brachte Umbach und andere europäischen Kollegen ihren Unmut zum Ausdruck über die Gründung einer European Section der American Oil Chemists‘ Society. Die Lösung all dieser Fragen wird noch Jahre dauern, aber es war Wilfried Umbachs Geschick – und Verdienst – die Internationalisierung der DGF erfolgreich zu starten und die DGF zu einem wichtigen und respektierten Spieler in diesem Bereich zu führen.
In meinen zahlreichen Gesprächen mit Wilfried Umbach lernte ich vieles, auch Dinge die ich als Beamter nicht verstand: Seinem Arbeitgeber sei „shareholder value“ wichtig, dem sei er verpflichtet. Nachdem ich verstanden hatte was er damit meinte, wurde mir klar, dass seine Loyalität sowohl Henkel als auch der DGF galt. So verwundert es nicht, dass Wilfried Umbach 2005 zum Ehrenmitglied der DGF ernannt wurde „in Anerkennung seiner besonderen Verdienste als Präsident, für die Umgestaltung der Gesellschaft, als Schriftleiter der Zeitschrift Fett/Lipid und als langjähriger Fürsprecher und Förderer der Fettwissenschaften“.
Zum Abschluss zusammengefasst, für all die von Prof. Dr. Wilfried Umbach initiierten Reformen sind wir als Gesellschaft ihm zu großem Dank verpflichtet und wollen ihn in ehrendem Andenken im Gedächtnis behalten. Unser Mitgefühl gilt seiner Witwe Frau Ute Zell-Umbach und den Angehörigen.
Univ.-Prof. Dr. Friedrich Spener
Präsident der DGF 1998–2000










